Interview mit Frau Ilse Lang

G+G: Warum haben Sie die Stiftung gegründet?

Lang:
Meine Tochter Alexandra ist im Alter von 30 Jahren an septischem Multiorganversagen gestorben.

Vorausgegangen war eine Infusionsbehandlung mit einer so genannten Mayr’schen Lösung, die in der Arztpraxis zubereitet wurde. Sie besteht aus einer Kochsalzlösung, der Vitamine und Spurenelemente zugesetzt werden.
Unmittelbar nach dem Arztbesuch ist sie zu Hause zusammengebrochen und sofort in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Todesursache war eine Sepsis durch Citrobacter.
Mir drängt sich der Gedanke auf, dass die Infusionslösung bakteriell verunreinigt gewesen sein muss. Hierüber muss das Gericht mit Hilfe von Sachverständigen entscheiden. Der Tod von Alexandra hat mein Leben verändert. Ich kann nachfühlen, was Menschen in ähnlich dramatischen Situationen durchmachen. Ihnen zu helfen war für mich der Anlass zur Gründung der nach meiner Tochter benannten Stiftung.

 

 

I

lse Lang ist Mitinhaberin der Renolit-Gruppe, Europas größtem Kunststoff-Folienhersteller.

G+G: Wie arbeitet die Stiftung?

Lang:
Wir bieten betroffenen Patienten Beratung und bei Bedarf Prozesskostenhilfe. Aber uns geht es auch darum, die Ärzteschaft für das Thema Behandlungsfehlermanagement zu sensibilisieren. Dabei wollen wir keine Ärzteschelte betreiben – denn wie alle anderen Menschen machen auch Ärzte Fehler. Aber sie müssen dazu stehen. Das Vertuschen bringt uns nicht weiter. Ganz wichtig ist uns, dass mehr Sensibilität für potenzielle Fehlerquellen entsteht, damit es erst gar nicht zu Fehlern kommt. Professionelle Fehlerprophylaxe muss weit mehr als bisher Einzug halten.

 

 
Die Alexandra-Lang-Stiftung
Die als gemeinnützig anerkannte Alexandra-Lang-Stiftung besteht seit Januar 2004. Ihr Zweck ist die Beratung und Unterstützung von Patienten, die Opfer von ärztlichen Behandlungsfehlern, Arzneimittel- und Medizinproduktschäden geworden sind. Die Unternehmerin Ilse Lang hat mit Hilfe ihres Privatkapitals die Stiftung ins Leben gerufen und nach ihrer Tochter Alexandra benannt, die im Jahr
2000 überraschend gestorben war (siehe Interview auf dieser Seite).
Die Stiftung verzichtet bewusst auf eine öffentliche Darstellung im Internet, damit die Mitarbeiter nicht mit Patientenanfragen überflutet werden. Der Erstkontakt zu den Patienten erfolgt nur über die Krankenkassen.
     

G+G: Können sie jetzt schon eine persönliche Zwischenbilanz ziehen?

Lang:
Mir gibt die Arbeit in der Stiftung Kraft, um mit dem tragischen Tod meiner Tochter besser umgehen zu können.


„Zu Fehlern stehen und nicht vertuschen“

 

 

Alexandra Lang, gestorben im Jahr 2000

>> Artikelanfang    
Quelle: Aus Gesundheit und Gesellschaft (G+G). Das AOK-Forum für Politik, Praxis und Wissenschaft, Ausgabe 6/2006, 9. Jahrgang   Startseite